Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

Von der Sachsenburg nach Sachsenhausen. Aus dem Fotoalbum eines KZ-Kommandanten

KZ Hohnstein (Sommer 1934)
KZ Sachsenburg (Herbst 1934)
KZ Columbia (August 1935)
KZ Esterwegen (ca. 1935)
KZ Sachsenhausen (1937)
KZ Sachsenhausen (1937)

Aufbau des KZ-Systems 1933 bis 1937
Die Ausstellung präsentiert rund 100 Aufnahmen aus dem dienstlichen Fotoalbum des ersten Kommandanten von Sachsenhausen, Karl Otto Koch, das die Gedenkstätte in den Archiven des russischen Geheimdienstes fand. Aus dem Blickwinkel der SS-Täter wird darin nicht nur die Errichtungsphase des KZ Sachsenhausen dokumentiert, sondern auch der Aufbau des KZ-Systems in Deutschland von 1933 bis Juli 1937. Das Album mit insgesamt rund 500 Aufnahmen aus der Zeit zwischen Frühjahr 1933 und Sommer 1937 dokumentiert den Aufstieg Kochs vom SS-Führer zum Fachmann für die Reorganisation und den Neuaufbau von Konzentrationslagern. Das Album wurde vermutlich als Geschenk zu Kochs 40. Geburtstag 1937 angelegt.

Reorganisation der Konzentrationslager
Die Aufnahmen zeigen Koch als Kommandanten der Konzentrationslager Hohnstein, Sachsenburg, Columbia und Esterwegen, die er nach den im KZ Dachau von seinem Förderer, dem „Inspekteur der Konzentrationslager, Theodor Eicke, entwickelten Prinzipien der totalen Beherrschung der Häftlinge reorganisierte. Mit dem Aufbau des als Modell- und Schulungslager geplanten KZ Sachsenhausen ab Sommer 1936 begann eine völlig neue Phase der Konzentrationslager, die nach der Ausschaltung der innenpolitischen Opposition zu Instrumenten der rassischen und sozialen Verfolgung, der Bevölkerungspolitik und der Kriegsvorbereitung werden. In nur einem Jahr roden die Häftlinge – die Belegungsstärke steigt zwischen September 1936 und Juli 1937 von 900 auf rund 3000 Häftlinge an – etwa 80 Hektar Wald und errichten mehr als 100 Gebäude. Neben dem Häftlingslager entstehen die Kommandantur, das SS-Truppenlager, ein Industriehof sowie mehrere Wohnsiedlungen für die Familien der SS-Führer.

Selbstbild der Konzentrationslager-SS
Die Bilder sind nicht nur von einem außerordentlich hohen wissenschaftlichen Erkenntniswert im Hinblick auf die Formierung des KZ-Systems und die Aufbauphase des KZ Sachsenhausen, von der bisher überhaupt keine Bilder existierten. Das gilt übrigens auch für einige der anderen frühen Lager. Was die Bilder des Dienstalbums von Koch von allen bisher bekannten Bildquellen unterscheidet, ist der unmittelbare, durch keine Inszenierung verfremdete Blick auf das Selbstbild der Konzentrationslager-SS. Die Bilder zeigen, wie Menschen von der SS im Konzentrationslager zu Untermenschen abgerichtet werden. Dem gegenüber steht das zynische, lustvoll ausgelebte Herrenmenschentum der SS, das äußerlich von Sauberkeit, Disziplin und Ordnung geprägt ist. In der Ausstellung werden dieser Perspektive der Täter Berichte von ehemaligen Häftlingen entgegengestellt, die auf die Bilder Bezug nehmen und diese konterkarieren.

Die Ausstellung basiert auf einer 2006 erstmals in der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen gezeigten Sonderausstellung anlässlich der Gründung des KZ Sachsenhausen vor 70 Jahren. Sie präsentiert die Bilder im vereinheitlichten Format 18 x 24 cm. Außerdem können die Besucher in einem Faksimile des Originalalbums blättern.

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