Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

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Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte Sachsenhausen für die Opfer des NS-Völkermordes an den Sinti und Roma

19. Dezember 2019

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose warnte heute bei einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes an den Sinti und Roma in der Gedenkstätte Sachsenhausen vor dem zunehmend gewaltbereiten Antisemitismus und Antiziganismus in Deutschland und in Europa, der sich vordergründig gegen Minderheiten richte, „im Kern aber auf die Zerstörung unserer Demokratie in Deutschland und in Europa“ ziele. „Die Erinnerung an die Verbrechen des Holocaust alleine reicht nicht aus, wir müssen in unserer Gesellschaft Verantwortung für die Gegenwart übernehmen“, sagte Rose.

Der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke erinnerte an die Jahrzehnte lange Verharmlosung und Verdrängung der Verbrechen an Sinti und Roma und sagte: „Es ist unser Auftrag, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz eine klare Grenze zu setzen. Deshalb brauchen wir Erinnerungskultur und das Wissen um die Vergangenheit. Jede Geschichtsfälschung ist eine Gefahr für die Freiheit.“

Stiftungsdirektor Axel Drecoll erinnerte nicht nur an das Schicksal des Sinto Rudolf Atsch, der im April 1940 im KZ Sachsenhausen brutal ermordet wurde, sondern auch an eine Gruppe aus Oldenburg, die in diesem Sommer auf den Spuren der eigenen Familien zur Gedenkstätte Auschwitz reiste und bei einem Aufenthalt in Oranienburg tätlich angegriffen wurde. Ebenso wichtig wie die Erinnerung an die NS-Verbrechen sei daher der Appell, „sich gegen jede Art von Diskriminierung und sprachlicher Diffamierung von Menschen zur Wehr zu setzen, wie sie gerade in jüngster Zeit und auch in den Parlamenten verstärkt geäußert werden.“

An der Gedenkveranstaltung nahmen auch acht Überlebende des NS-Völkermordes an den Sinti und Roma, Angehörige und Vorstände der Landesverbände des Zentralrats sowie zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens teil. Anlass war der 77. Jahrestages des „Auschwitz-Erlasses“, mit dem Heinrich Himmler am 16. Dezember 1942 die Deportation von Sinti und Roma aus ganz Europa in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau anordnete – unter ihnen 10.000 deutsche Sinti und Roma aus dem damaligen Reichsgebiet. Insgesamt wurden im besetzten Europa mehrere Hunderttausend Sinti und Roma in Konzentrationslagern oder durch Einsatzgruppen der SS ermordet. Im Konzentrationslager Sachsenhausen waren mehr als 1.000 Sinti und Roma inhaftiert.

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