Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

Mit doppeltem Boden

„… also muss ich dieses Risiko jetzt nehmen“ (Hein Schmidt, 31.8.1944)

Nur wenige Häftlinge setzten sich der Gefahr aus, heimlich Botschaften aus dem Lager zu schmuggeln. Dies gelang meist nur mit Unterstützung von Außenstehenden. Hein Schmidt, ein kommunistischer Häftling aus dem Ruhrgebiet, fertigte dieses Holzkästchen heimlich im Außenlager Lichtenrade an.

Schmidt war gelernter Modellbauer und aktiver Gewerkschafter. Im Mai 1933 emigrierte er in die Niederlande, nachdem er einem Aufruf zum Eintritt in die Deutsche Arbeitsfont nicht nachkommen wollte. Mitte August 1936 wurde er wegen illegaler Aktivitäten ausgewiesen, wenige Wochen später in Oberhausen verhaftet und in das KZ Sachsenhausen überstellt, wo er als politischer Häftling mit der Häftlingsnummer 471 registriert wurde.

Im Frühjahr 1944 wurden die Aktivitäten einer illegalen internationalen kommunistischen Widerstandsgruppe bekannt. Schmidt, der sich seit Juni 1944 im Berliner Außenlager Lichtenrade, befand, war Teil der Gruppe. Bevor er nach Entdeckung der Gruppe ins Hauptlager zurückkehren musste, vertraute er das selbstgebaute Kästchen einem Zivilarbeiter an, der es der Familie zukommen ließ. Schmidt wurde mit 100 anderen Häftlingen der Gruppe mit dem Vermerk „Rückkehr unerwünscht“ in das KZ Mauthausen überstellt. 27 weitere Häftlinge wurden am 21. Oktober 1944 im KZ Sachsenhausen erschossen. 

Hein Schmidt überlebte das KZ Mauthausen und kehrte nach der Befreiung zu seiner Frau in die Niederlande zurück. Er verstarb am 18. Juni 1981.

Das Kästchen hat Hein Schmidt 1961 der Gedenkstätte geschenkt, den Originalkassiber übergab die Familie der Gedenkstätte als Dauerleihgabe im Herbst 2020.

Holzschatulle mit doppeltem Boden, 1944 (III 611) I Achtseitiger Kassiber, 31.8.1944 (22.00033 (Dauerleihgabe))

 

ZURÜCK