Vor Kurzem erhielt die Sammlung der Gedenkstätte zwei außergewöhnliche Kunstwerke als Schenkung. Es handelt sich um zwei Aquarelle des Malers Fritz Schaefler. Beide Aquarelle sind Bildnisse des anarchistischen Autors, Künstlers und Aktivisten Erich Mühsam, eins davon ist ein Doppelbildnis von Erich Mühsam und seiner Frau Kreszentia.
Fritz Schaefler (1888–1954) war ein Maler des Expressionismus. Fronterfahrungen und eine Kopfverletzung im Ersten Weltkrieg beeinflussten seine künstlerischen Arbeiten ebenso wie das politische Geschehen in der Nachkriegszeit. In der Münchner Revolution 1918/19 war er aktives Mitglied des „Aktionsausschusses Revolutionärer Künstler“. Neben Illustrationen für revolutionäre Zeitschriften porträtierte er führende Persönlichkeiten der Münchner Räterepublik – wie Erich Mühsam.
Erich Mühsam (1878–1934) gehörte 1918 zu den Befürwortern der Bayerischen Räterepublik, die eine sozialistische Umgestaltung Bayerns vorsah. Nach der gewaltsamen Niederschlagung der Räterepublik durch Freikorps-Einheiten und Regierungstruppen wird auch Mühsam verhaftet und zu 15 Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Entlassung 1924 kämpfte er weiter gegen Militarismus, Autoritarismus und den aufkommenden Nationalsozialismus.
Als bekannter anarchistischer Künstler und Intellektueller wurde Mühsam bereits in der Nacht nach dem Reichstagsbrand Ende Februar 1933 in Berlin verhaftet. Über mehrere Haftstationen kam er im Januar 1934 in das KZ Oranienburg. Hier wurde er am 10. Juli 1934, nach der Übernahme des Lagers durch die SS, von bayrischen SS-Männern ermordet.
Beide Aquarelle sind bereits Anfang der 1990er Jahre in Ausstellungen zum KZ Oranienburg in der Gedenkstätte gezeigt worden. Dem Stifter der Werke, einem Kunstliebhaber, war es ein Anliegen, dass die Werke nach Oranienburg kommen – dem Ort, der mit dem Leben von Erich Mühsam auf so tragische Weise verbunden ist.



