Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

Raul Hilberg: Zum 100. Geburtstag des Pioniers der Holocaustforschung im Deutschen Theater Berlin

 

Deutsches Theater, 28. Mai 2026, 18 – 20 Uhr, Rangfoyer

Eintritt frei, ohne Anmeldung

Gemeinsam mit dem Förderverein der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen würdigt das Deutsche Theater Berlin Raul Hilberg anlässlich seines 100. Geburtstags am 2. Juni 2026. Er gehört bis heute zu den einflussreichsten Holocaustforschern. 

Hilberg war bereit, sich dem tabuisierte Thema „Mord an den europäischen Juden“ zu stellen. Er wandte sich gegen die Auffassung der Mehrheit seiner Wissenschaftskollegen, Hitler trüge die Verantwortung für die „Endlösung“, die Deutschen dagegen seien ihm nur gefolgt. Hilberg hat dagegen gezeigt, dass weite Teile NS-Gesellschaft engagiert und kreativ an der Judenverfolgung mitgewirkt haben.

Für Raul Hilberg war klar: Das Menschheitsverbrechen an den europäischen Juden begann nicht in Auschwitz. Es begann mit Verordnungen. Definitionen, die auf Ausgrenzung abzielten, ebneten den Weg. Eine breite Koalition aus Wehrmacht, Industrie, Diplomatie, Polizei, Reichsbahn, Kirchen, Schulen, Ingenieuren, Ärzten, Rechtsanwälten machte den Genozid arbeitsteilig erst möglich.

Zahlreiche Verlage in der Bundesrepublik waren nicht bereit, sein monumentales Hauptwerk („The Destruction of the European Jews“) zu veröffentlichen. Eine unrühmliche Rolle spielten seinerzeit auch negative Gutachten des „Instituts für Zeitgeschichte“. Erst 1982 erschien das Werk in einem Berlin Kleinverlag („Olle & Wolter“). Erst durch die Aufnahme des Buchs in die „Schwarze Reihe“ des S. Fischer Verlags (1990) erhielt Hilbergs Buch die Resonanz, die es verdiente.

Bei der Veranstaltung wird der Historiker René Schlott, der in Kürze eine Biografie Raul Hilbergs veröffentlicht, vertiefende Einblicke geben. Außerdem werden O-Töne Raul Hilbergs zu hören sein aus einem dreistündigen Feature des Deutschlandradios.  Der Autor des Features, Andreas Beckmann, erzählt, warum Raul Hilberg für ihn wichtig ist. Manuel Harder, Mitglied des Ensembles des DT und des Fördervereins, liest Texte Hilbergs aus der Sendung. Durch den Abend führt der Historiker und Mitglied des Vorstands Bernward Dörner.