Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

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Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

Die Gedenkstätte Sachsenhausen trauert um Margot Jann

25. August 2026

Die Gedenkstätte und das Museum Sachsenhausen trauert um Margot Jann, die am 24. Juli 2026, wenige Wochen vor ihrem 100. Geburtstag, verstorben ist. Mit ihr verlieren wir eine wichtige Zeitzeugin der sowjetischen Speziallager und eine langjährige Freundin und Unterstützerin der Gedenkstätte.

Margot Jann wurde am 2. September 1926 als Margot Senf in Großröhrsdorf in Sachsen geboren. Im Oktober 1945 wurde die damals 19-Jährige gemeinsam mit vier Freunden von der sowjetischen Geheimpolizei verhaftet. Alle fünf wurden von einem sowjetischen Militärtribunal wegen antisowjetischer Tätigkeit und Bildung einer illegalen Untergrundorganisation zum Tode verurteilt. Während zwei ihrer Freunde hingerichtet wurden, wurde Margot Janns Todesurteil in zehn Jahre Arbeits- und Besserungslager umgewandelt.

Nach Monaten in sowjetischen Gefängnissen kam Margot Jann zunächst in das Speziallager Bautzen. Im Sommer 1948 wurde sie in das sowjetische Speziallager Nr. 7/Nr. 1 in Sachsenhausen verlegt. Hier durfte Margot Jann erstmals offiziell nach Hause schreiben. Im Juni 1949 erhielt sie nach fast vier Jahren Haft den ersten Brief ihrer Eltern. Im Februar 1950 wurde Margot Jann gemeinsam mit mehr als 1.100 Frauen und 25 Kindern in die Frauenstrafvollzugsanstalt Hoheneck überstellt. Erst im Oktober 1950 kam sie überraschend frei.

Über ihre Erfahrungen und insbesondere über das gegen sie verhängte Todesurteil konnte Margot Jann in der DDR jahrzehntelang kaum sprechen. Erst nach 1989 erfuhr sie mit Gewissheit, dass ihre Freundin Brunhilt Gebler und ein weiterer Freund 1946 hingerichtet worden waren. Nun suchte sie den Kontakt zu ehemaligen Mithäftlingen und setzte sich mit großer Beharrlichkeit dafür ein, die Erinnerung an die politische Verfolgung und an die Schicksale inhaftierter Frauen wachzuhalten. 

1991 gehörte Margot Jann zu den Mitbegründerinnen des Frauenkreises der ehemaligen Hoheneckerinnen, dessen Vorsitz sie später übernahm und dessen Ehrenvorsitzende sie wurde. Besonders engagierte sie sich für die Bewahrung des ehemaligen Frauengefängnisses Hoheneck als historischen Ort und für die Entstehung einer Gedenkstätte. Margot Jann und die mit ihr Verurteilten wurden 1996 in Russland rehabilitiert. Für ihr jahrzehntelanges Engagement wurde sie 2008 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Auch der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und der Gedenkstätte Sachsenhausen war Margot Jann über viele Jahre eng verbunden. Als Mitglied der Beiratskommission II brachte sie von 2005 bis 2012 die Perspektive der ehemals im sowjetischen Speziallager Inhaftierten in die Arbeit der Stiftung ein. Solange ihre Gesundheit es zuließ, nahm sie an den Gedenkveranstaltungen für die Opfer des sowjetischen Speziallagers in Sachsenhausen teil. Mit ihrer persönlichen Erinnerung, ihrer Erfahrung und ihrem beharrlichen Eintreten gegen das Vergessen begleitete und unterstützte sie die Arbeit der Gedenkstätte bis ins hohe Alter.

Stiftungsdirektor Axel Drecoll würdigt die Verstorbene: „Margot Jann hat über viele Jahre die Arbeit der Gedenkstätte Sachsenhausen begleitet und mitgeprägt. Sie hat uns ihre Erinnerungen an Verfolgung und Haft anvertraut und zugleich immer wieder daran erinnert, welche Verantwortung daraus für die Gegenwart erwächst. Ihre freundliche, bescheidene Art und das große Engagement, mit der sie sich für die Erinnerung an ihre Mithäftlinge eingesetzt hat, werden uns fehlen. Wir sind ihr für ihre Verbundenheit mit der Gedenkstätte sehr dankbar und werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren.“

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