Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

Der Zellenbau des KZ Sachsenhausen 1936-1945

Die Ausstellung

Der Zellenbau, vom übrigen Häftlingslager durch eine Mauer abgeschottet, diente als Lager- und Gestapogefängnis. Es war ein von Geheimnissen umgebener Ort grausamer Misshandlungen und Morde. Von der ursprünglich T-förmigen Anlage mit ihren rund 80 Zellen sowie Wach- und Verhörräumen ist heute nur noch ein Gebäudetrakt erhalten. Von den beiden anderen Flügeln zeugen noch Fundamente. Seit 1999 informiert eine Dauerausstellung in sechs der ehemaligen Zellen anhand von Fotos, Zeichnungen und Dokumenten sowie Biografien von Häftlingen über die Geschichte und Funktionen des Zellenbaus. Die Ausstellung ist mit schmalen Pulten und Vitrinenbändern sehr zurückhaltend gestaltet, damit der Eindruck der Zellen soweit wie möglich erhalten bleibt. Gezeigt wird auch ein Modell des ursprünglich dreiflügeligen Zellenbaus, der in seiner panoptischen Gestalt entsprechenden Vorbildern von Strafanstalten der damaligen Zeit nachempfunden war.

 

Geschichte des Ortes

Im ersten Raum der Ausstellung wird die Geschichte des Gebäudes von 1936 bis 1961 dargestellt. In der Zeit des Konzentrationslagers diente der Zellenbau der SS als Straf- und Arrestbereich für die Häftlinge des Lagers. Die Berliner Gestapo-Zentrale nutze den Zellenbau außerdem zur Inhaftierung prominenter Untersuchungs- und Sonderhäftlinge.

Zur Zeit des sowjetischen Speziallagers 1945-1950 fungierte das Gebäude zunächst als Quarantänestation, später als Gefängnis und als Sammelblock. In den 1950er Jahren verfiel der Zellenbau. Militärische Einheiten der Kasernierten Volkspolizei bzw. der Nationalen Volksarmee der DDR bauten Installationen zur Weiterverwendung an anderen Orten aus und brachen auch Teile des Gebäudes ab. Im Zuge der Errichtung der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte wurde der übrig gebliebene Gebäudetrakt 1961 instand gesetzt und museal gestaltet. Inszenierungen aus dieser Zeit, wie zum Beispiel eine Zelle mit Strohsack oder mit Bett und Stuhl, sind noch heute zu sehen.

 

Lagerstrafen

Thema im zweiten Raum sind die so genannten Lagerstrafen, die im Zellenbau von der SS vollstreckt wurden. Die in allen Konzentrationslagern größtenteils identische Lager- und Strafordnung war eines der Hauptinstrumente des Terrors. Vermeintliche Verstöße gegen die Lagerordnung wurden vor allem durch Einzelhaft, Dunkelarrest, Prügelstrafen oder stundenlanges Pfahlhängen an den auf den Rücken gebundenen Armen geahndet. Die SS sperrte Häftlinge auch gezielt in den Zellenbau, um sie unter Ausschluß der Lager-Öffentlichkeit quälen und ermorden zu können. In der Ausstellung werden den Befehlen und Anordnungen der SS Häftlingszeichnungen und -berichte gegenübergestellt.

 

Untersuchungs- und Sonderhäftlinge

Im dritten Raum dokumentiert die Ausstellung exemplarisch das Schicksal von Untersuchungs- und Sonderhäftlingen der Gestapo, die hier gefangen gehalten wurden. Vorgestellt werden der Kommunist Herbert Nicolai, der Hitler-Attentäter Georg Elser, der polnische Weihbischof Wladyslaw Goral, der französische Ministerpräsident Paul Reynaud sowie der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Martin Luther. Die Haftbedingungen dieser Häftlinge waren je nach Bedeutung, die die Gestapo ihnen zumaß, sehr unterschiedlich. Ebenso diver-gierte die Dauer ihrer Gefangenschaft im Zellenbau: Die Untersuchungshäftlinge wurden hier einige Tage, Wochen oder Monate gefangen gehalten, die Sonderhäftlinge oft mehrere Jahre.

 

Wechselausstellungen

Bestandteil der Neukonzeption von 1999 ist auch ein Bereich für Wechselausstellungen, in denen einzelne Häftlinge oder Häftlingsgruppen des Zellenbaus eingehender porträtiert werden.

Stefan Rowecki in Uniform (um 1930)

Aktuelle Wechselausstellung: Stefan Rowecki - GROT. Sonderhäftling im KZ Sachsenhausen 1943/44

Stefan Rowecki (1895-1944), Deckname „Grot“ (Speerspitze), war seit Juni 1940 Oberkommandierenden der polnischen Untergrundarmee. Am 30. Juni 1943 wurde er vermutlich in Folge einer Denunziation von der Gestapo in Warschau verhaftet und nach Verhören in Berlin Mitte Juli 1943 in den Zellenbau des KZ Sachsenhausen verschleppt.

Als „Sonderhäftling“ erhielt Rowecki eine bessere Verpflegung als die anderen Häftlinge, er trug seine eigene Kleidung, durfte Briefe schreiben und Pakete empfangen. Wenige Tage nach Ausbruch des Warschauer Aufstandes am 1. August 1944 wurde General Rowecki vermutlich auf den persönlichen Befehl Heinrich Himmlers hin im KZ Sachsenhausen ermordet.

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